Grund- und Mittelschule Ebermannstadt: Unterricht beim Kommissar

Hoffentlich kommt ihm kein Mord dazwischen, wird sich so manchen Schüler der 9ten Klassen der Grund- und Mittelschule Ebermannstadt in diesen Tagen denken. Denn auch die jüngsten Fans der TV-Reihe Tatort wissen, dass Ermittlungen keinen Aufschub dulden und Fernsehkommissar Sebastian Fleischer alias Schauspieler Andreas Leopold Schadt seinen Auftritt in ihrem Klassenzimmer kurzfristig absagen müsste. Dass Schadt bei ihnen eine Unterrichtsstunde halten wird, ist Teil einer Initiative, die den Schülern bei der Wahl des Berufs und zugleich der Wirtschaft bei der Suche nach geeigneten Nachwuchskräften unter die Arme greift.

Der 1978 in Hof geborene fränkische Sherlock Holmes ist das Zugpferd eines Seminars mit dem Namen „Ich pack’s an“. Der Spezial-Unterricht, den die Grund- und Mittelschule Ebermannstadt gemeinsam mit der gemeinnützigen Stiftung Lebenspfad realisiert, wird die 14- bis 16-jährigen Jungen und Mädchen in einem Thema fit macht, das sie in der letzten Phase ihrer Schullaufbahn immer wieder beschäftigen wird, die Suche nach dem Traum-Ausbildungsplatz. „Mit diesem neuen Bildungsbaustein“, so Schulleiterin Anette Mohnlein, „reagieren wir gezielt auf die Klagen von Ausbildungsbetrieben, dass sie Lehrstellen unbesetzt lassen müssen, obwohl die Noten der Bewerber eigentlich passen würden.“ Das Programm „Ich pack’s an“ vermittelt den Jugendlichen jene Fähigkeiten, die im Elternhaus, aber auch im Lehrplan häufig zu kurz kommen, obwohl sie im heutigen Arbeitsleben genauso wichtig sind wie eine hohe fachliche Qualifikation. In drei Unterrichtseinheiten lernen die Neuntklässler, warum ein souveränes, selbstbewusstes und offenes Auftreten und Verhalten erfolgreich macht – und wie das denn nun geht. In die Rolle des Lehrers schlüpfen neben Andreas Leopold Schadt die ehemalige Pressesprecherin von BMW Regensburg, Martina Thomas, sowie Elke Gillardon, die Vorsitzende der Stiftung Lebenspfad. Schwierig für die Schüler im Jugendalter ist der Rollenwechsel. Weg vom Schülerdasein im geschützten Bereich Schule hin zum Mitarbeiter im Betrieb.

Während „Ich pack’s an“ als Teil des regulären Unterrichts stattfindet, verlangt ein zweites Programm, mit der die Grund- und Mittelschule Ebermannstadt ihre Berufsvorbereitungs-Offensive komplettiert, dass die Teilnehmer fünfmal den Unterrichtsschluss aus freien Stücken in den Nachmittag hinein verlängern. Der „Business-Führerschein“ wurde von Elke Gillardon für Jugendliche konzipiert, die bereits im Alter von 14, 15 oder 16 Jahren von sich sagen, dass sie sich beruflich entfalten und hoch hinauswollen, und die deshalb den M-Zweig besuchen, der sie zu einem höherwertigen Abschluss führt, dem Mittleren Bildungsabschluss. „Wer an diesem Intensiv-Training teilnehmen will, das im November startet, musste sich bewerben, es gibt nur 16 Plätze. Diese Hürde haben wir ganz bewusst gesetzt, damit wir dann auf jenem hohen Niveau arbeiten können, das motivierte und engagierte Jugendliche brauchen“, so Elke Gillardon. Beworben haben sich weit mehr Teenager als erwartet. „Wir ergreifen mit diesen beiden Programmen die Initiative, weil unsere Schüler gezielte und professionelle Unterstützung vor allem im Bereich eigene Lebensziele erarbeiten und Wege zur Umsetzung finden brauchen“, ergänzt Schulleiterin Anette Mohnlein, „ebenso benötigen unsere Schüler mehr Gelegenheiten und Förderung, wenn es Kommunikation geht. Hier reichen unsere schulischen Möglichkeiten nicht aus, da unsere Schülerschaft immer heterogener wird und meine Kollegen eine Vielzahl von Aufgaben bewältigen müssen. Externe professionelle Begleitung ist in einer zeitgemäßen und berufsorientierten Schulausbildung ein wertvoller Baustein, der von Schülern, Eltern und Lehrern sehr geschätzt wird. Außerdem ist es unser Ziel, dass unsere Schüler bestmöglich in eine Ausbildung starten. Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist gut, allerdings möchten wir, dass unsere Schüler den Anforderungen gewachsen sind und somit erfolgreich sein können. Und genau das werden wir mit den beiden Programmen ab diesem Schuljahr ändern.“

Unterstützt und gefördert werden die Projekte vom Innovationsfonds der Bildungsregion Forchheim und der Werbegemeinschaft Ebermannstadt.

Text: Stiftung Lebenspfad

Foto: © Martin Haendl, Bildungsbüro Landkreis Forchheim